Meine Gedanken zur Welpenschule

Ich habe in meinem Leben unterschiedliche Welpengruppen mit verschiedenen Welpen besucht/beobachtet. 

Die Gruppen sind oft viel zu groß (10 und mehr), es werden kleine mit großen Welpen bunt gemischt auf eine Wiese gelassen und sollen Spaß haben und Sozialverhalten lernen.

Wenn der kleine Welpe Schutz sucht, wird auch noch zur Seite gegangen. Marke „das muss er lernen“ oder auch „nicht trösten, sonst verstärkt man seine Angst“. Diese alten Mythen gehören nun wirklich in die 80er Jahre zurück. Längst ist bewiesen, dass man die Emotion Angst nicht durch Trost verstärken kann.

Man kann Verhalten verstärken, nicht aber Emotionen. Man stelle sich vor, jemand hat Angst vor Spinnen. Wenn man ihn tröstet, während Tarantula persönlich fröhlich an der Wand krabbelt, wird sich die Angst wohl kaum verstärken, oder? Oder jemand hat Angst in der Dunkelheit. Der Begleiter tröstet ihn und ist für ihn da. Hat er dann noch mehr Angst? Wohl kaum. Wenn der Begleiter aber sagt „Tschüss, du machst das schon“. Wie fühlt man sich wohl dann?

Spaß auf der Hundewiese ist so eine Sache. Es gibt sicher Welpen, die den passenden Spielpartner dort finden und somit das richtige Verhalten untereinander lernen können. Vielleicht haben die Welpen, die andere einschüchtern, grob sind, nicht ablassen von ihrem Gegenüber usw, auch ihren Spaß, der ‚gemobbte‘ Welpe hat ihn sicher nicht.

In solchen Welpenstunden lernt der vermeintlich schwächere/kleinere/zurückhaltende Welpe vermutlich nur, dass andere Hunde doof sind, nerven, Schmerzen zufügen. Evtl. legt er sich hier bereits eine Strategie zurecht. Wenn fiddle about (Übersprunghandlung, z. B. albern sein), freeze (erstarren) und flight (Flucht) nicht funktioniert, bleibt noch Fight (Kampf). Das ist für den Welpen natürlich keine gute Erfahrung. Hier kann bereits der Grundstein für spätere Leinenpöbelei/Unverträglichkeit usw. gelegt werden.

Und der Welpe, Marke Haudegen/Mobber/Frechdachs? Er lernt leider nicht, sich auch mal zurückzunehmen, weil ihn keiner ausbremst. So hat der gut gemeinte Gedanke Welpenschule das Gegenteil des eigentlichen Planes erreicht. Schade, aber noch heute läuft es in der ein oder anderen Welpenstunde leider so ab.

Wie sieht sie denn nun aus, die ideale Welpenschule?

Eine Welpenstunde sollte in meinen Augen gut moderiert sein. Das bedeutet für mich, dass mindestens ein erfahrener Trainer (der über positive Verstärkung arbeitet) dabei ist, der die Welpen wirklich im Blick hat und den Haltern erklären kann, was sie sehen. Bereits bei Welpen kann man die Hundesprache ganz wunderbar lernen, damit man auch in Zukunft ihre Körpersprache, Mimik und Laute versteht.

Der Trainer trennt die Kontrahenten, wenn es zu grob wird, ein Welpe Unterstützung benötigt, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Er verordnet eine kurze Pause, bevor es gesittet weitergeht. Auch geht er darauf ein, dass jeder Welpe einen eigenen Charakter und somit auch eigene Bedürfnisse hat.

Ein Anteil Theorie gehört für mich immer dazu, denn Welpen-Menschen haben Fragen zu diversen Themen und das ist auch gut so. Gemeinsam lernt es sich doch besser. Nun ist man hoffentlich nicht in einer reinen Spielstunde gelandet, denn auch kleine Übungen sollten auf jeden Fall mit in die Stunde einfließen. Welpen sind junge Hunde und eh man sich versieht, sind es Halbstarke.

Gestern war das Anspringen vielleicht noch süß, heute ist es nicht mehr gewünscht. Auch der Rückruf, Straßentraining, unterschiedliche Untergründe, Menschen, Tiere, Autos, Mülltonnen, Geräusche – all das und noch viel mehr kann und sollte in kleinen Schritten bereits dem Welpen bekannt gemacht werden. Fördern, aber nicht überfordern und Pausen nicht vergessen.

Der Idealfall ist es, wenn noch ein oder zwei souveräne erwachsene Hunde anwesend sind, die sich gern mit Welpen beschäftigen. Hier kann der Welpe wunderbar die hündische Kommunikation erlernen und vertiefen. Hunde kommunizieren bereits über Blicke, von denen der Mensch evtl. noch gar nichts mitbekommt. Eine kleine Veränderung u.a. im Körperschwerpunkt, in der Mimik – all das sagt schon eine Menge aus – auch auf Entfernung. Aber hündische Kommunikation ist noch viel mehr und sollte immer im Ganzen betrachtet werden.

Bitte bedenkt aber unbedingt: Es gibt keinen Welpenschutz, außer vielleicht in der eigenen Familie nach Eingewöhnung und im eigenen Rudel. Erwachsene Hunde nehmen Welpen oft noch nicht für voll, darum passiert meistens nichts Ernstes. Einen Welpenschutz gibt es aber nicht. Das ist ein Märchen, das sich leider immer noch hartnäckig hält.

Fazit: Seid achtsam bei der Wahl eurer Welpenschule, stellt Fragen und hört auf euer Bauchgefühl. Wenn es dann doch nicht passt, geht wieder. Es ist allein eure Entscheidung, ihr tragt die Verantwortung für euren Hund.

Und passt auf euren Welpen bei Fremdhundebegegnungen auf. Nicht jeder erwachsene Hund ist tolerant gegenüber jungen Hunden. Sprecht mit dem anderen Halter, schaut auf die Körpersprache der Hunde. Im Zweifel lieber eine Begegnung weniger, als eine schlechte Erfahrung.

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