Leinenführigkeit
Was genau ist Leinenführigkeit?
Man hört es überall. Es gibt spezielle Kurse dafür. Doch was ist mit Leinenführigkeit eigentlich gemeint? Ist es das lockere Laufen an der Leine, egal wie die Position zum Menschen ist? Oder vielleicht das neben dem Menschen laufen mit loser Leine? Oder soll der Hund hinter dem Menschen laufen oder vor ihm? Ist es vielleicht sogar egal wo, nur nah am Menschen? Wie locker soll die Leine denn überhaupt sein? Soll sie durchhängen oder darf sie minimal gestrafft sein? Wie lang ist denn die Leine überhaupt, die man nutzt?
Für unterschiedliche Menschen bedeutet ein und dasselbe Wort oft etwas ganz Unterschiedliches. Die wichtigste Frage dabei ist: Was genau bedeutet es für dich? Wie möchtest du mit deinem Hund laufen? Hast du darüber schon einmal in Ruhe nachgedacht?
Einige vielfach vorkommende Beispiele, die Menschen gern anwenden, wenn die Leinenführigkeit nicht funktioniert:
Der Hund zieht, der Mensch ruckt an der Leine. Was hat der Hund gelernt? Jedenfalls nichts Positives oder läuft er nun fröhlich und gern neben dir? Vermutlich nicht.
Oder er zieht, du bleiben stehen. Er muss gezwungenermaßen auch stehen bleiben, weil das Leinenende ja erreicht ist. Dann gehst du weiter. Vielleicht schaut er dich auch an und du gehst dann erst weiter. Was hat er gelernt? Bestimmt nicht das, was du dir dabei gedacht hast, oder läuft er jetzt ohne weiteres Eingreifen an loser Leine?
Vielleicht kommt er auch zu dir, wenn du stehen bleibst. Du lobst ihn und beim Weitergehen zieht er fröhlich weiter. Auch hier hat er nicht gelernt, dass die Leine locker bleiben soll.
All diese Möglichkeiten helfen dir also scheinbar nicht, deinem Hund mitzuteilen, dass er an lockerer Leine gehen soll. Oder warum zieht er immer noch?
Sei fair zu deinem Hund. Überlege dir erst für dich, was Leinenführigkeit für dich bedeutet, und bleibe dabei. Wenn du heute möchtest, dass dein Hund neben dir läuft, morgen darf er gern vor dir laufen und übermorgen wieder neben dir, woher soll er das wissen? Wenn es dir egal ist, wo er bei dir läuft, bleibe bitte auch dabei.
Lockere Leine neben dem Menschen ist nicht gleichbedeutend mit ‚bei Fuß gehen‘. Das ist wieder etwas anderes. Nämlich die Übung ‚bei Fuß‘, die den Unterschied in sich trägt, dass der Hund tatsächlich mit seiner Schulter auf Höhe deines Knies sehr nah neben dir läuft. Möchtest du tatsächlich den Gassigang lang so spazieren gehen? Ich hoffe nicht.
Und bitte, bleibe auch in der Leinenlänge, gerade im Training, berechenbar. Wenn du heute eine 2 m Leine und morgen eine 1 m lange Leine nutzt, ist das schließlich ein großer Unterschied. Nicht nur für dich im Handling, sondern auch für den Hund, der nun auch noch in cm denken soll?
Gib deinem Hund die Chance zu verstehen, wann du sein Verhalten gut findest. Lobe ihn, wenn die Leine locker ist und er da läuft, wo du es gern hättest. Schimpfe nicht, wenn er zieht und strafe deinen Hund nicht dafür. Auch wenn du am Anfang nur wenige Schritte mit loser Leine schaffst, spare nicht mit Lob/Belohnung (die deinem Hund gefällt, nicht dir), in welcher Form auch immer und bleibe geduldig. Stress, Frust, Wut oder Enttäuschung bringt dich sicher nicht weiter und deinen Hund schon gar nicht. Denn nein, er weiß nicht, warum du gerade genervt bist. Er fühlt deine negative Stimmung, die er nicht zuordnen kann und wird evtl. sogar noch mehr ziehen, um dem Ganzen zu entgehen.
Also wie immer – bleib fair, ruhig und geduldig. So wird sich dein Hund gern in deiner Nähe aufhalten und das ist doch das, was wir uns wünschen. Oder?
Später, wenn ihr ein eingespieltes Team seid und die Leinenführigkeit richtig gut sitzt (ja, das kann dauern), kannst du gern die Leine variieren oder auch den Abstand. Denn dann hat dein Hund tatsächlich lernen dürfen, worauf es ankommt.
